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Hinrich Dunkhase

Biografie

Hinrich Dunkhase (1857-1905) 

Nachfolgend ein Auszug aus der Festschrift des KBV Burhave anlässlich ihres

100-jährigen Jubiläums im Jahre 2002.


Die Festschrift wurde seinerzeit von Jan Dunkhase und Carl-Heinz Terveen gefertigt.

 

Kurzbiographie über Hinrich Dunkhase

Unser Verbands- und Vereinsgründer, Hinrich Wilhelm (genannt Hinnerk) Dunkhase, wurde am 22.01.1857 in Syuggewarden – heute Hofstelle Dirk Haschen – geboren. Er erlernte die Landwirtschaft und bewirtschaftete den elterlichen Hof. Neben seinem enormen Ehrgeiz und der Hingabe für das Klootschießen setzte er sich als Landwirt für die Entwicklung der 1988 gegründeten Burhaver Molkerei ein. Er verstand es, seine landwirtschaftlichen Berufskollegen davon zu überzeugen, dass eine leistungsfähige und ertragsreiche Milchwirtschaft nur mit einer modernen und fortschrittlichen Molkereigenossenschaft möglich ist.

So wurde er erwartungsgemäß ab 01. Januar 1894 zum Vorstandsvorsitzenden der Genossenschaft gewählt. Diese Position als Molkereidirektor der Burhaver Molkerei hatte er bis zu seinem Tode am 18. Januar 1905 inne.

In seinem Denken und Vorstellungen war er wohl immer der Zeit voraus. So wurden in seiner Führungsposition in der Molkerei Qualitätsverbesserungen in der Rohmilch und der tierärztlichen Kontrolle – u.a. bei der Bekämpfung der Rinderseuche mit Tbc – vorangebracht.

Seine Heimatverbundenheit und seine Weitsicht im landwirtschaftlichen Bereich ist ein Spiegelbild dafür, mit welchen ehrgeizigen Plänen er die Klootschießerbewegung geprägt hat.
Die Gründung des KBV – die Folge einer vorherigen, zwangsläufigen Entwicklung.
Ob beruflich oder sportlich, außergewöhnliche Leistungen sind nur dann zu erreichen, wenn man sich mit aller Entschlossenheit und Hingabe der Aufgabe stellt und trotz aller Rückschläge zielstrebig von dem eingeschlagenen Weg nicht abweicht. Hinnerk Dunkhase verkörperte diese Merkmale.

Natürlich von seinem Vater gefördert, zeichnete er sich schon als Junge unter seinen Altersgenossen als leidenschaftlicher und hervorragender Klootschießer aus. Obwohl es auch zu seiner Zeit andere, vielfältige Sportarten gab, ließ er nicht von seiner Begeisterung für den Friesensport ab. In seinem unermüdlichen Bestreben verstand er es, seine Mitstreiter durch Übungsfleiß auf die Feldkämpfe einzustimmen.

Dabei sollte an dieser Stelle einmal erwähnt werden, dass Hinnerk Dunkhase eben nicht ein großer und muskulöser Werfer war, sondern ein verhältnismäßig kleiner und schmächtiger Mann. So nannte man ihn auch: „Littje Hinnerk“. Ein Beweis dafür, dass nicht unbedingt die Stärke, sondern eher die Schnelligkeit und die Zielgenauigkeit die Wurfweiten brachten. Dazu eine kleine Anekdote in Platt:

„Nu schull is mal een grot’ Amtssmieten twüschen Butjarland un Stadland wäsen. Hinnerk Dunkhase weer mit as Smieter utloost. För den – litjen Hinnerk – weer dit dat erste grote Smieten. As dat nu losgahn schull un all Smieters ähre Nummer vör de Mutz kreegen, do kem een von den Stadlander Bahnscheeters, de den litjen Butjenter wiet övern Kopp wegkieken de, un frag ganz verwundert: Na min Jung, wullt du ok mit smieten? – Jawoll, dat harr ik woll in’n Sinn! – kreeg he as Antwort. – Na, meende de Groote, dat schall mi denn is verlangen. Un wo is’ aflopen? De Butjenters hebbt wunnen – und vör allen hett de litje Hinnerk mit Schuld daran, denn he smeet, as Bahnsmieters man smieten könt, egalweg den Bahhnwieser ut de Stä!

Wat mag de grote Stadlanner woll noch faken an den litjen fixen Jungkerl ut Butjarland dacht hebben! Dat he naheer noch de Gründer von usen KBV un den groten Freeschen Klootscheeter-Verband word, dat harr he säker noch am wenigsten glöwt!“


Übrigens!

Mit welcher Besessenheit und Leidenschaft Hinnerk Dunkhase mit seinem Freund Gerhard Tanzen das Klootschießem in Sillens in jungen Jahren betrieben haben, hat sich noch beim Umbruch der Grünlandflächen im Zuge des Fahrradwegausbauees in den letzten Jahren ergeben. In der Looterde wurde so manche Klootkugel, zum Teil nur noch das Bleikreuz der Kugel, gefunden.

 

Die Gründerjahre

Zu allen Zeiten hat es immer wieder Höhen und Tiefen in der Friesensportbewegung gegeben. Eine rückläufige Entwicklung des Friesenheimatspiels wurde auch gegen Ende des 19. Jahrhunderts festgestellt. Die Gründe dafür waren vielschichtig. In erster Linie lag es wohl an den Wettkämpfen selbst, die in zunehmenden Maße von Zank, Streit und Saufereien begleitet waren. Das Niveau sank und die sich diesem Sport verschriebenen Sportler und Anhänger zogen sich weitgehend zurück. Eine wesentliche Ursache war ferner, dass durch ein fehlendes Regelwerk es nicht möglich war, die Wettkämpfe in der notwendigen Ruhe ordentlich durchzuführen.

In den Phasen eines sportlichen Tiefs gab es stets immer wieder Männer, die mit Begeisterung und neuen Ideen den Aufschwung aus einer sich anbahnenden Krise schafften.

Damals war es Hinnerk Dunkhase, der es nicht mit ansehen konnte, wie das Interesse am Klootschießen langsam verschwand. Als großer und begeisterter Werfer in seinen jungen Jahren, war er inzwischen Bahnweiser von Butjadingen. Diese neue Aufgabe hat er natürlich mit dem gleichen Elan wahrgenommen. In dieser Funktion verstand es Hinnerk Dunkhase, dass volkstümliche Klootschießen neu zu beleben. Vielleicht kam ihm dabei der Zufall ein wenig entgegen. Auf jeden Fall fand auf seine Veranlassung hin am 26.02.1901 ein Feldkampf zwischen Butjadingen/Stadland gegen Ostfriesland in Hohenberge bei Varel mit 4 gegen 4 Werfern statt.

Diesen Feldkampf konnte Ostfriesland mit einem Vorsprung von 2 ½ Wurf für sich entscheiden. Das Ergebnis hatte für Hinnerk Dunkhase nur eine geringere Bedeutung. Vielmehr war es gelungen, die Begeisterung bei den Werfern und Zuschauern neu zu entfachen.

In seinem stetigen Bemühen um den Fortbestand und die Weiterentwicklung des Heimatsportes, wurde er von vielen gleichgesinnten Männern unterstützt. Dabei darf sein langjähriger Freund Gerd Tanzen aus Sillens nicht unerwähnt bleiben. Von den Einheimischen war dann auch zu hören: „Bei den beiden wird die Eiskugel nicht kalt und nicht trocken!“ Sie trainierten gemeinsam – wann immer sie konnten – und versuchten bei jeder Gelegenheit den jungen Leuten fachgerecht das Klootschießen zu vermitteln.

Mit Genugtuung erkannte Hinnerk Dunkhase nach dem ersten großen Feldkampf zwischen Butjadingen/Stadland und Ostfriesland am 26.02.1901, welch enormes Interesse am Klootschießen unter der heimischen Bevölkerung vorhanden war. Damit war auch schon sein Plan geboren, den Zusammenschluss der Klootschießer aller Städte und Kreise des friesischen Raums in einem Verband möglichst schnell zu vollziehen.

Mit den ihm nahestehenden Klootschießerfreunden besprach er Mittel und Wege eines Zusammenschlusses und es wurde dafür bereits eine Verbandssatzung erarbeitet. Der Friesische Klootschießerverband ist dann in einer Versammlung am 25.02.1902 in Burhave gegründet worden. Zum 1. Vorsitzenden wurde Hinnerk Dunkhase gewählt.

Diese Verbandsgründung war eine Initialzündung zur Gründung weiterer örtlicher Klootschießervereine. In dieser allgemeinen Aufbruchstimmung ist die Gründung des Klootschießervereins Burhave im gleichen Jahr fast untergegangen. So gibt es hierüber weder ein Gründungsprotokoll noch eine Zeitungsnotiz. Von den Töchtern des Verbandsgründers, Else und Minna Dunkhase, wissen wir, dass von Hinnerk Dunkhase die Vereinsgründung von dem Klootschießerverein Burhave im September 1902 vollzogen wurde.
So erklärt sich auch die Jahreszahl auf unserer alten noch vorhandenen Gründerfahne 1903. Offensichtlich war die Gründung des örtlichen Vereins nicht von so großer Bedeutung sondern mehr eine Formsache. Ohnehin wurde das Klootschießen in Burhave und Sillens schon seit Generationen vereinsähnlich durchgeführt.

Die Ära Hinnerk Dunkhase war je im Jahre 1905 beendet

Aus der Geschichte ist uns in vielfacher Weise bekannt, dass Persönlichkeiten während einer relativen kurzen Lebensdauer große Leistungen erbracht haben. Dazu darf durchaus für unsere Region Hinnerk Dunkhase gezählt werden.

Er war es, der das Interesse am Kampfspiel der Vorfahren nicht nur im engeren Raum seiner Butjadinger Heimat, sondern weit darüber hinaus in Oldenburg, Ostfriesland und auch Schleswig-Holstein neu belebt hat. Als leidenschaftlicher Klootschießersportsmann verstand er es, Freude und Begeisterung in allen Kreisen des Friesenvolkes wieder zu wecken. Für diese Aufgabe scheute er weder Zeit noch Mühe und brachte dafür jedes Opfer. Als bodenständiger Friese war es für ihn eine Herzensangelegenheit, den Heimatsport wieder in neuer Blüte entstehen zu lassen.

Das Verbandsklootschießerfest in Esens vom 15. bis 17. Januar 1905 sollte seine letzte Veranstaltung sein. Obwohl er sich gesundheitlich nicht wohl fühlte, war eine Teilnahme an diesem Werfen für ihn unabdingbar. Sein Pflichtgefühl war stärker, er musste einfach dabei sein und wollte seine Freunde nicht in Stich lassen.

Durch die während der Kampftage herrschende kalte Witterung hat sich Hinnerk Dunkhase eine schwere Erkältung zugezogen, von der es sich nicht mehr erholen sollte. Er verstarb bereits einen Tag nach dieser Veranstaltung am 18. Januar 1905 im Alter von 48 Jahren. Damit hatten wir – viel zu früh – einen großen Butjenter verloren, der den Fortbestand des Klootschießersports als eine Lebensaufgabe ansah.

Abschließend ein Zitat in der Beilage „Lüch op“ der Marner Zeitung von einem Teil des dort erschienenen Nachrufs für Hinnerk Dunkhase in der Heimatsprache:

Un denn keem dat 2. Verbandsfest in Esens 1905. Isige Winterdage von’n 15. bit 17. Januar. Hinnerk Dunkhase, de „Klootscheeterhäuptling“, is wedder unner sin Freesenvolk. He is nich so rech up’n Damm. Ma wull em jo al to Hus holen. Awers dat gung och nich! Freesland lurde up em. Darmit tret Hinnerk Dunkhase sin leßde Fahrt an. He is noch twee Dag wedder inner sine Getreuen wäsen, hett sine Freesen noch eenmal wedder begeistert. Sin ole Fründ Gerd Tanzen hett em denn wedder torüggebrocht. Wer harr dat dacht, dat de Klootscheeters so bald ehrn Besten de Heima

teer overgäwen mussen. Hinnerk Dunkhase, de Gründer van’n „Freesschen Klooscheeter-Verband“ hett sick opfert för sin Wark! För us all een Vorbild:

An de Stä awers, wo he för us sunnen und sträwt un schafft hett, wo he sine Oogen för immer slaten hett, dar steiht de Gedenksteen ut Granit.



Hinnerk Dunkhase to Ehr un Dank!

 

Das Dunkhase-Ehrenmal

Der Friesensport ist unzertrennlich mit dem Namen des Klootschießervaters, Hinnerk Dunkhase, verbunden. Zur Erinnerung setzten ihm die Freunde des Heimatspiels im Jahre 1932 einen Gedenkstein zwischen dem Dunkhase-Anwesen und der damaligen Zimmerei Peter Bruns (heute Firma Günther Schultze) in Burhave, Butjadinger Straße. Ein Granitfindling aus dem Weserurstromtal des Weserberglandes. Unter dem Gedenkstein wurde eine Urkunde, in der seine aufopfernde Arbeit für die Klootschießerbewegung gewürdigt wird, in einer Rolle mit einer Tageszeitung eingemauert.

Eine Verlegung des Denkmals war 1988 aufgrund der Firmenerweiterung Günther Schultze (Einfahrt), aber auch durch den Verkauf des Grundstücks von Dunkhase notwendig. Es wurde in der Mitte dieses Grundstücks neu aufgebaut und dabei die zuvor lose verlegten Steine der Kreisverbände mit eingemauert. Dieser neue Standort war allerdings unauffällig, sodass die Bürger das Ehrendenkmal kaum wahrnahmen.

Wiederum fand im Jahre 2001 ein Eigentumswechsel statt und das Grundstück wurde an das Deutsche Rote Kreuz übertragen. Für das vorgesehene Bauprojekt auf diesem Grundstück passte der Standort des Denkmals nicht in das Planungskonzept. Ein erneuter Standortwechsel des Denkmals wurde ins Auge gefasst und im Jubiläumsjahr 2002 vollzogen. Das Bauwerk mit einem Gewicht von ca. 12 Tonnen konnte mit vielen Helfern und der Unterstützung eines schweren Autokrans an den jetzigen Platz Butjadinger Straße Ecke Rüstringer Straße transportiert werden. Dabei wurde gleichzeitig eine notwendige Restaurierung des Ehrendenkmals vorgenommen, eine Informationstafel in Bronze aufgestellt, das Grundstück bepflanzt und die Zuwegung gepflastert. Rechtzeitig zur 100-jährigen Jubiläumsfeier des FKV am 10.05.2002 war der Arbeitsaufwand vollbracht und das Ehrendenkmal konnte im neuen Glanz präsentiert und eingeweiht werden. Ein schöner und gelungener Anblick innerhalb des Ortskerns von Burhave.

 






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